Der Religionsunterricht vor neuen Herausforderungen

Die deutschen Bischöfe am 16. Februar 2005


Vorwort

„Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.“ (1 Petr 3,15) Diese Worte beschreiben eine Zielsetzung für den katholischen Religionsunterricht in der Schule. Er erschließt die Hoffnung der Kirche im Dialog mit den Fragen der Schülerinnen und Schüler nach dem Woher, Wohin und Wozu ihres Lebens. Damit leistet er einen eigenständigen, von anderen Unterrichtsfächern nicht ersetzbaren Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung und Weltorientierung im Rahmen schulischer Bildung. Darüber hinaus ist die Tradierung der Hoffnung, von der die Kirche lebt, auch für die Humanität der Schule und der Gesellschaft von hoher Bedeutung.

Damit der Religionsunterricht seine Aufgabe erfüllen kann, müssen die institutionellen Bedingungen und vor allem die Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler bedacht werden. Die gegenwärtige Schulreform und die veränderte religiöse Situation der Kinder und Jugendlichen sind neue Herausforderungen, denen sich alle stellen müssen, die für den Religionsunterricht Verantwortung tragen: Religionslehrerinnen und Religionslehrer, Religionspädagogen in der Wissenschaft sowie in der Aus- und Fortbildung und nicht zuletzt auch wir Bischöfe. Mit den Kirchlichen Richtlinien zu Bildungsstandards für den katholischen Religionsunterricht in den Jahrgangsstufen 5–10/ Sekundarstufe I (Mittlerer Schulabschluss) (Die deutschen Bischöfe 78) haben wir bereits ein wesentliches Element der Schulreform aufgegriffen und seine Bedeutung für den Religionsunterricht dargelegt.

Die vorliegende Schrift will nun mit Blick auf die genannten Herausforderungen die Aufgaben und Ziele des katholischen Religionsunterrichts neu bedenken. Dabei geht es weniger um eine bildungstheoretische Begründung des Faches, die wir 1996 in dem Wort Die bildende Kraft des Religionsunterrichts. Zur Konfessionalität des katholischen Religionsunterrichts dargelegt haben. Sie bleibt auch unter den veränderten Bedingungen gültig. Heute ist es vielmehr notwendig, die Aufgaben und Ziele des katholischen Religionsunterrichts konkreter als bislang zu beschreiben und damit sein Profil im Fächerkanon der Schule zu stärken. Dabei ist zu bedenken, dass der Religionsunterricht für eine wachsende Zahl von Kindern und Jugendlichen der wichtigste und oft auch einzige Ort der Begegnung mit dem Glauben und der Hoffnung der Kirche ist.

Mit dieser Schrift wenden wir uns in erster Linie an die Religionslehrerinnen und Religionslehrer. Sie sind für ihre Schülerinnen und Schüler wichtige Gesprächspartner in Glaubens- und Lebensfragen – im Religionsunterricht und oft auch außerhalb. Damit leisten sie für die Schule und für die Kirche einen wichtigen Dienst. Diese Schrift soll die Arbeit der Religionslehrerinnen und Religionslehrer unterstützen und Impulse für die Weiterentwicklung des Religionsunterrichts geben.

Sodann wenden wir uns an die, die in der Religionslehrerbildung tätig sind, besonders an die Professoren und Dozenten für Religionspädagogik, die Fachleiter und Seminarlehrer in den Studienseminaren und die Verantwortlichen in der Religionslehrerfortbildung. Die Qualität des Religionsunterrichts hängt entscheidend von der Fähigkeit der Lehrerinnen und Lehrer ab, auf die neuen Herausforderungen theologisch und pädagogisch kompetent zu antworten. Wir wollen mit unserer Schrift auch im Bereich der Unterrichtsforschung und der Religionslehrerbildung Impulse geben.


Bonn/Mainz, Pfingsten 2005

Kardinal Karl Lehmann
Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

 


Das gesamte Dokument lesen sie bitte arrowhier.