Kath. Privatschulen - Geschichte
Die Geschichte des katholischen Privatschulwesens
© Logo der katholischen Privatschulen ÖsterreichsDie Entwicklung des österreichischen Bildungswesens ist untrennbar mit der katholischen Kirche verbunden. Schulische Bildung - im weitesten Sinn - lag jahrhundertelang nahezu ausschließlich in kirchlicher Hand.

Katholische Kirche und Bildung

Die Entwicklung des österreichischen Bildungswesens ist untrennbar mit der katholischen Kirche verbunden. Schulische Bildung - im weitesten Sinn - lag jahrhundertelang nahezu ausschließlich in kirchlicher Hand. Sie diente einerseits zur Ausbildung des geistlichen Nachwuchses, andererseits zur Erziehung männlicher vorwiegend adeliger Jugend bei gleichzeitiger Tradierung des christlichen Menschenbildes und wurde in Kloster-, Dom- und Stiftsschulen durch eine beständige Konstanz der Lehre von der Spätantike bis ins Mittelalter verwirklicht.

 

Die Bedeutung konfessioneller Bildungseinrichtungen

In der Zeit der Reformation und Gegenreformation wurde die Bildungslandschaft durch konfessionelle Schul- und Universitätsgründungen deutlich umgeformt. Eigene Schulorden entstanden, bereits bestehende Orden nahmen sich der Bildungsaufgabe an. So prägte der Jesuitenorden für mehr als zwei Jahrhunderte das österreichische Bildungswesen und beeinflusste mit seiner damals modernen Organisationsform (Unter- und Oberstufe) bereits bestehende ähnliche Institutionen. Durch den Verzicht auf Einhebung von Schulgeld erlangten zudem breitere Bevölkerungsschichten Zugang zu schulischer Erziehung. 1549 richtete der Mönchsorden der Benediktiner eine öffentlich zugängliche Lateinschule ein, gründete 1617 in Salzburg die Vorstufe zu ihrer Universität und stellte nach dem vorübergehenden Verbot des Jesuitenordens für deren Gymnasien zahlreiche Lehrer. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts nahm sich der Orden der Ursulinen der vernachlässigten Bildung der Mädchen an und gründete rasch mehrere Niederlassungen in der Habsburgermonarchie, die unentgeltliche Primarschulen für Töchter aus einfachen Familien sowie häufig auch Internate führten.

 

Das Interesse des Staates an Bildung

Die Aufklärung als Zeitalter der Pädagogik ist gekennzeichnet von zunehmender Säkularisierung und einem deutlichen Interesse des Staates an Bildung seiner Bürger. Neben wirtschaftlich-ökonomischen Faktoren sollte auch der Einfluss der Kirche in den Bildungseinrichtungen zurückgedrängt werden. Zunehmend traten staatliche Schulen in Konkurrenz zu den kirchlichen Institutionen, das Schulwesen wurde zu einer "öffentlichen Angelegenheit". Die staatliche Studienordnung aus 1735 orientierte sich allerdings weitgehend an der Struktur und den Prinzipien der Piaristen, die seit 1657 in Österreich als neuer Schulorden Fuß gefasst und pädagogisch großen Einfluss hatten.

Kirchliche Schulaufsicht und durch sie geprägte Lehrpläne wurden ab 1760 durch die Einsetzung der Studienhofkommission auch im heutigen Österreich immer mehr unter die Kontrolle des absoluten Staates gebracht. Doch die stabilisierende Funktion der katholischen Kirche sowie finanzielle Überlegungen der Regierenden trugen dazu bei, dass die Mitverantwortung der Kirche im Bildungsbereich erhalten blieb und gegen Ende des 18. Jahrhunderts mit Ausnahme des universitären Bereichs wieder zunahm. In Wien wurde 1807 das Schottengymnasium eröffnet.

 

Der Begriff "Privatschule" entsteht

Ab 1818 mussten Ordensmitglieder nach und nach eine Art Lehramtsprüfung ablegen, wie dies bereits von den Laien verlangt wurde. Große Schwierigkeiten bereitete es den Ordensgemeinschaften, geprüfte Fachlehrer für die neu eingerichteten Unterrichtsgegenstände der Naturwissenschaften und modernen Sprachen aus eigenen Reihen zu stellen. Die Zahl der weltlichen Lehrer stieg dadurch deutlich an. In Folge der Revolution von 1848 setzten sich liberale, aufklärerische Überzeugungen, dokumentiert in der "Reichsverfassung für das Kaiserthum Österreich", immer deutlicher durch. Das Recht des Staates zur obersten Leitung des Unterrichts- und Erziehungswesens wurde bekräftigt. Die katholische Kirche verlor auch im Bildungswesen ihre Sonderstellung. Ab 1867 war jeder Staatsbürger berechtigt, Unterrichts- und Erziehungsanstalten zu gründen und darin Unterricht zu erteilen, wenn er die im liberalen Staatsgrundgesetz geforderten Bedingungen erfüllte. 1868 wurde das Gesetz zur Regelung des Verhältnisses der Schule zur Kirche mit dem Grundsatz der staatlichen Schulaufsicht erlassen. Dadurch wurden die Ordensschulen Privatschulen und abhängig von staatlichen Bestimmungen. Einheitlich geforderte Schulausstattungen sowie der Nachweis des Einsatzes gesetzlich befähigter Lehrkräfte erschwerten deren finanzielle und personelle Situation.

Während sich manche Orden und Kongregationen wie beispielsweise jene der Schulbrüder und der Marianisten - beide erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts in der Monarchie mit Schwerpunkt Wien wirkend - den neuen Gegebenheiten anpassten und so ihren Einfluss und die meisten Wirkungsstätten behalten konnten, verloren andere wie etwa Piaristen und Jesuiten an ihren Schulen das Öffentlichkeitsrecht und mussten wegen Schülermangels oder Nichterfüllung gesetzlicher Vorschriften zahlreiche Schulen an den Staat oder das Land abgeben. Auch das 1855 verabschiedete Konkordat zwischen dem heiligen Stuhl und der Habsburgermonarchie konnte an dieser Situation kaum etwas ändern.

 

Der Aufbau des katholischen Privatschulwesens

Um christliche Werte im Bildungswesen wieder auszubauen, mussten eigene Schulen errichtet werden. Unter Rückgriff auf das provisorische Gesetz über den Privatunterricht konnte dies relativ unbürokratisch erfolgen. Da das Öffentlichkeitsrecht für Schultypen, die vom Staat seltener geführt wurden, leichter zu erlangen war, erfolgten zahlreiche Neugründungen im Berufs- und Mädchenschulwesen, hauptsächlich durch Frauenorden  wie beispielsweise die Kongregation der Töchter der göttlichen Liebe, die Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz, die Schwestern vom Armen Kinde Jesus, die Schulschwestern vom Dritten Orden des heiligen Franziskus, die Ordensfrauen vom heiligsten Herzen Jesu ("Dames du Sacre Coeur") sowie den in Österreich relativ neuen Lehrorden der Schulbrüder.

Unterstützung erhielt die katholische Privatschulbewegung durch den 1886 gegründeten "Katholischen Schulverein für Österreich" und katholische Lehrervereine. Die katholischen Privatschulen bestachen um die Jahrhundertwende durch Offenheit, Reformfreudigkeit, überzeugendes pädagogisches Konzept, zusätzliche Bildungsangebote sowie erste Wahlpflichtfächer mit deutlichem Mitspracherecht der Eltern.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt es enorme Schwierigkeiten, ausgelöst durch den 1. Weltkrieg, den politischen Schulkampf und die Not der Nachkriegszeit, zu bewältigen. Die Orden waren durch den Krieg personell geschwächt, ein wirtschaftlich bedingter Rückgang der Schülerzahlen trat ein und notwendige Spenden blieben aus. Doch die bildungspolitische Entspannung durch den Schulkompromiss von 1927 sowie der Zusammenschluss der Orden und Kongregationen in der Interessensvertretung Verband der katholischen Privatschulen Österreichs führte trotz Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren zu vermehrten Neugründungen vor allem durch weibliche Schulorden, die meisten jedoch außerhalb Wiens. Viele geistliche Schwestern nahmen nach eigens eingerichteten Maturakursen ein Universitätsstudium auf sich, um auch an höheren Schulen unterrichten zu dürfen. So erhielten die SchülerInnen ihrer Anstalten einen höheren Schulabschluss, durch die Ausrichtung ihrer Bildungseinrichtungen nach staatlichem Muster erhielten sie zudem das begehrte Öffentlichkeitsrecht. Dieses sowie ihre anerkannte Pensionatserziehung sicherten ihren Bestand.

 

Aufhebung und Neubeginn der katholischen Privatschulen

Durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten kam es zu einer drastischen Schwächung der Privatschulen durch Besuchsverbote, Entzug des Öffentlichkeitsrechtes, willkürliche Übergriffe und damit zur nahezu vollständigen Auslöschung des katholischen Privatschulwesens.

Nach Kriegsende erschwerten unterschiedliche Schwierigkeiten den rasch in Angriff genommenen Neuanfang. Zahlreiche Ordenshäuser waren durch Bomben beschädigt, nicht wenige Schulräume durch Hospitäler, eine Firma, ein Altersheim, eine Polizeidienststelle u.a. belegt, die unbeschädigten Teile der Volks- und Hauptschule der Brüder der Christlichen Schule in der Gebrüder-Lang-Gasse von der Österreichischen Widerstandsbewegung besetzt gehalten. Waren Gebäude frei und großteils intakt, fehlte es manchmal an genug geeigneten Lehrkräften für eine Aufnahme des Schulbetriebs. Mittels eines Fragebogens wurde sofort nach Kriegsende durch den Generalvikar der Erzdiözese nicht nur die Situation des jeweiligen Standortes erhoben, sondern auch Anregungen für einen strukturierten und überlegten Neuanfang gegeben. Trotz mannigfacher Schwierigkeiten suchten viele Orden und Kongregationen bereits ab Mai 1945 um Wiedererlangung des Öffentlichkeitsrechtes für ihre im Herbst zu eröffnenden Schulen an, die rasch ihr Ansehen in der Gesellschaft wiedererlangten. So konnten sogar bereits im Schuljahr 1946/47 nicht alle interessierten SchülerInnen aufgenommen werden. Bis 1954 wurden österreichweit 292 katholische Bildungseinrichtungen - zusätzlich noch Kindergärten, Horte und Schülerheime - wiedereröffnet, 88 davon im Bereich der Erzdiözese Wien. 1945 wurde außerdem die "Wiener Diözesanschule für Seelsorgehilfe und Caritas", heute "Seminar für kirchliche Berufe", gegründet. Behindert wurde der konsequente Aufbau durch den erneut aufflammenden ideologischen Schulkampf und den langen Weg bis zur Einigung im Schulgesetzwerk. Dieses wurde 1962, ebenso wie das neue Privatschulgesetz, beschlossen und bildete gemeinsam mit dem "Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und der Republik Österreich" die Basis bis heute gültiger, sicherer Rechtsgrundlagen für das katholische Privatschulwesen. Die eindeutigen Regelungen bezüglich der Führung, Errichtung, des Erwerbs des Öffentlichkeitsrechtes und nicht zuletzt der Subventionierungen führten zu einer letzten größeren Gründungswelle katholischer Privatschulen inclusive Pädagogischer Akademien und 1971 der Religionspädagogischen Akademie Wien.

1971 wurden zudem die Kosten des Lehrpersonals vollständig durch den Staat übernommen und dies in einem Zusatzvertrag zum Konkordat verpflichtend festgelegt. Da jedoch die Zahl der ordenseigenen Lehrkräfte stark abnahm, fehlte deren Gehalt zur Finanzierung des Sachaufwandes durch den Schulerhalter. Die personelle und finanzielle Situation führte zu einer Reihe von Schulauflassungen, die besonders die weiblichen Orden betrafen. In einer Reihe von Fällen übernahmen die Diözesen die gefährdeten Bildungseinrichtungen und sicherten so ihren Fortbestand (vgl. Standorte/Die Erzdiözese Wien als Schulerhalter).
Katholische Privatschulen trugen und tragen nicht nur zur Buntheit des Bildungswesens bei, sondern entlasten den Staat auch durch die von ihnen geführten Einrichtungen.

 

Quellen:

Blankertz, H.: "Die Geschichte der Pädagogik", Pandora, Wetzlar, 1982

Dinzelbacher, P; Hogg, J.L. (Hrsg): "Kulturgeschichte der christlichen Orden", Kröner, Stuttgart, 1997

Engelbrecht, H.: "Privatschulen - Relikt oder Zukunftsmodell?", öbv&hpt, Wien, 2000

(AL Mag. Elisabeth Hartel)



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