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Wie kann am besten die Begabung jedes einzelnen Kindes gefördert werden und welche Aufgabe kommt hier Lehrern, Eltern und dem System Schule zu? Mit diesen Fragen beschäftigte sich eine internationale Tagung in Wien, die am Freitag, 16. April 2010, zu Ende gegangen ist. Die frühere Rektorin der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems (KPH), Ulrike Greiner, wies darauf hin, dass sich der Streit, ob hochbegabte Kinder gesondert oder alle Kinder nach Möglichkeit gemeinsam gefördert werden sollen, inzwischen überholt habe. Die individuelle Förderung jedes einzelnen Kindes sei wichtig, so Greiner im Rahmen einer Podiumsdiskussion. Diese Einsicht sei allerdings weniger ethisch oder politisch zustande gekommen, sondern aufgrund wirtschaftlicher Notwendigkeiten.
Angstfreiheit beim Lernen Notwendig für die Entwicklung der je eigenen Begabung sei vor allem Angstfreiheit beim Lernen, sagte Greiner. Ebenso brauche es ein soziales und kulturelles Umfeld, in dem Leistung erwünscht, erwartet und gefördert wird. Zudem seien für das Kind Vorbilder wichtig, zu denen es in einer liebenswerten, faszinierenden Beziehung stehen könne.
Der Mathematiker Rudolf Taschner zeigte sich überzeugt, dass jedes Kind für seine Eltern ein Wunderkind ist. Jeder Mensch habe in irgendeinem Bereich Stärken, so Taschner. Leo Steiner, der Generaldirektor von IBM Österreich, warnte davor, dass das österreichische Schul- und Bildungssystem ein "Volk von Philosophen" fördere, während die Naturwissenschaften vernachlässigt würden. Hier brauche es mehr Ausgewogenheit, forderte Steiner.
Kreativitätsfreiräume sind notwendig Einig waren sich die Diskutanten, dass für die Entwicklung und Förderung der Begabung in der Schule auch Kreativitätsfreiräume notwendig sind. Greiner sprach sich für mehr "kreative Anarchie in der Schule" aus. Es sei zugleich aber auch klar, dass gewisse Strukturen einfach notwendig sind. Die neue Rektorin der Pädagogischen Hochschule Linz räumte ein, dass das System Schule beziehungsweise Pädagogen, die ihren Dienst falsch verstehen, die Lust am Lernen schwer stören könnten.
Bedeutung des Elternhauses Rudolf Mitlöhner, stellvertretender Furche-Chefredakteur, und die Künstlerin Timna Brauer betonten in ihren Statements die Bedeutung des Elternhauses für die Förderung der Begabung der Kinder. Dabei zeigte sich Brauer aber überzeugt, dass ihre künstlerische Ader auch in einem anderen Elternhaus zum Durchbruch gekommen wäre.
Die Tagung wurde vom Institut TIBI für Begabtenförderung und Begabungsforschung an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems in Kooperation mit dem Verein ECHA Österreich durchgeführt. Sie stand unter dem Generalthema "sinn:voll. Begabungskulturen zwischen narzisstischer Illusion und sozialer Verantwortung".
(www.stephanscom.at, 16.04.2010)
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