Andrea Pinz im Amt ©-Foto-Gabriele-Paar

Pinz | „Ethikunterricht für alle“ würde Fach Religion verdrängen

Leiterin des Interdiözesanen Amts für Unterricht und Erziehung in „Die Furche“: Forderung nach Verbannung von Religion aus Schule basiert auf „Kurzschluss“.

Die immer wieder erhobene Forderung, Religion zum Zweck der Konfliktvermeidung gänzlich aus dem öffentlichen Raum von Schule zu verbannen, basiert auf einem „gehörigen Kurzschluss“. Mit dieser Feststellung reagierte Andrea Pinz, Leiterin des Interdiözesanen Amts für Unterricht und Erziehung sowie des Schulamts der Erzdiözese Wien, in der Wochenzeitung „Die Furche“ (30. Jänner) auf das zuletzt von Susanne Wiesinger in ihrem Buch „Machtkampf im Ministerium: Wie Parteipolitik unsere Schulen zerstört“ formulierte Plädoyer für einen „verpflichtenden Ethikunterricht für alle“. Ein solcher würde „zur Marginalisierung und letztlich zur Verdrängung des Religionsunterrichts führen“, da die Lehrplaninhalte weitgehend deckungsgleich seien, in Religion aber die Abmeldung weiter bestehen bleibe.

Die Pflichtschullehrerin und Lehrergewerkschafterin Wiesinger wurde 2019 von Bildungsminister Heinz Faßmann zur Ombudsfrau für Wertefragen und Kulturkonflikte berufen. Noch vor dem Erscheinen ihres Buches über die Einflussnahme der Politik auf das Schulsystem im Jänner 2020 wurde ihre Tätigkeit als Ombudsfrau vorzeitig beendet. In der öffentlichen Aufmerksamkeit würden die beiden Unterrichtsgegenstände Religion und Ethik immer wieder in ein Konkurrenzverhältnis gerückt, kommentierte Andrea Pinz auch andere Stimmen für einen flächendeckenden Ethikunterricht. Viel zu wenig werde gesehen, „wie viel ihnen gemeinsam ist“. In beiden Unterrichtsgegenständen gehe es darum, Kindern und Jugendlichen eine Werteerziehung zukommen zu lassen, „die sie befähigt, aus fundierter Kenntnis heraus Handlungsoptionen abzuwägen und ethische Entscheidungen zu treffen, mit deren Hilfe sie Orientierung für gelingendes Leben gewinnen und Gesellschaft mitgestalten können“. Ein Spezifikum des Religionsunterrichts ist es nach den Worten der Bildungsexpertin, dass Schüler dabei Lehrenden begegnen, „die für eine bestimmte Haltung stehen und authentisch von dem, worauf sie ihr Leben gründen, Zeugnis geben, ohne zur Übernahme ihrer Überzeugung zu verpflichten“.

Besonders bedeutsam ist nach den Worten von Pinz, dass der Religionsunterricht die Möglichkeit bietet, den Glauben zu reflektieren und diesen im Kontext pluraler Weltanschauungen zu bedenken. Damit leiste er einen wichtigen Beitrag zur „Demokratieerziehung und Fundamentalismusvermeidung“, gerade weil der Religionsunterricht es ermögliche, sich in einem geschützten Raum mit überlieferten, auch stark emotional geprägten Glaubensinhalten kritisch auseinanderzusetzen.

„Wo, wenn nicht in der Schule…?“

Und Pinz stellte in ihrem Gastkommentar die rhetorische Frage: „Wo, wenn nicht in der Schule, die einerseits ein Abbild von Gesellschaft, andererseits aber auch ein Einübungsort gesellschaftlicher Praxis unter fachkundiger Begleitung ist, kann aber der wertschätzende und auskunftsfähige Dialog mit Menschen anderen Glaubens besser erlernt werden?“ Dass der konfessionelle Religionsunterricht als einziges Schulfach „immer wieder grundlegenden Infragestellungen ausgesetzt“ sei, liege oft an „Wortmeldungen mit wenig Sachkenntnis“, die „durchaus interessens- und ideologiegeleitet“ an der Realität der Unterrichtspraxis vorbeigehen. Immerhin 91 Prozent der 623.000 katholischen Schüler besuchten den Religionsunterricht, 27 Prozent der jungen Menschen ohne Bekenntnis wählten ihn als Freigegenstand, belegte Pinz die Beliebtheit des Faches mit aktuellen Zahlen.

Die von der ÖVP-FPÖ-Regierung beschlossene und von der gegenwärtigen wieder aufgenommene Einführung des Ethikunterrichts für vom Religionsunterricht abgemeldete Schüler werde von den Religionsgemeinschaften und kirchlichen Bildungsverantwortlichen begrüßt. Seit einigen Jahren gebe es auch Kooperationen zwischen den Religionsunterrichten, aber auch zwischen dem Religions- und Ethikunterricht, dialogische Unterrichtsformen würden beständig weiterentwickelt, informierte Pinz: „Dies ist vorausschauender und dient einem solidarischen Miteinander besser als das Vorantreiben von Polarisierung.“

Quelle: Kathpress, 30.01.2020

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