Corona: Katholische Schulen für Schulbetrieb bestmöglich gerüstet

Wiener Schulamtsleiterin Pinz in „Der Sonntag“-Interview: Krisenstäbe in jeder Schule, enge Kooperation mit Gesundheitsbehörden – Neues vierfarbiges Ampel-System „sinnvolles Instrument“

Andrea Pinz, Leiterin des Wiener Erzbischöflichen Schulamtes, sieht dem Schulstart in rund zweieinhalb Wochen zuversichtlich entgegen. Trotz der Herausforderungen durch die Corona-Pandemie werde „weitestgehender Regelbetrieb“ möglich sein, so Pinz unter Verweis auf Bildungsminister Heinz Faßmann. Sie sei „sehr froh und dankbar, dass wir diese positive Perspektive haben. Ich kann vor allem für unsere katholischen Schulen sagen, dass wir in den vergangenen Monaten viel gelernt haben. Das wird uns helfen, konstruktive Rahmenbedingungen zu schaffen.“ Pinz äußerte sich in der aktuellen Ausgabe der Wiener Kirchenzeitung „Der Sonntag“ (Mittwoch).

„Prinzipiell stellen wir uns in den Schulen auf Normalbetrieb ein, bei dem wir gut auf die Hygienevorkehrungen achten und gleichzeitig bereiten wir uns gezielt auf mögliche Verschlechterungen vor“, so die Schulamtsleiterin. Jede Schule richte dazu einen eigenen Krisenstab ein und definiere Präventionsmaßnahmen für die jeweilige Schule. Zudem hätten die Schulen in der Trägerschaft der Erzdiözese einen zentralen Krisenstab, der die Maßnahmen mit den einzelnen Schulen abstimmt und koordiniert.

Basis der meisten Maßnahmen sei das neue vierfarbige Ampel-System, „ein sinnvolles Instrument, um mit den Herausforderungen gut umzugehen“. Man erkenne an den vier Farben sehr schnell, welche Vorkehrungen getroffen werden müssen. Damit könne ein allgemeiner Lockdown verhindert werden und die Verantwortlichen können regional vernünftig reagieren. Pinz: „Falls in einer Region also die Ampel z.B. auf Gelb springt, weil ein grundsätzlich moderates Corona-Risiko besteht, so springen automatisch auch die Ampeln aller Schulen in dieser Region auf Gelb.“

Hohes Verantwortungsbewusstsein notwendig

Bei konkreten Corona-Verdachtsmomenten werde die Gesundheitsbehörde eingeschaltet, das Kind vom Klassenverband getrennt und getestet und alle Vorkehrungsmaßnahmen eingeleitet. „Wo wir auch viel dazu gelernt haben, ist das sogenannte Contact-Tracing, also das genaue Nachvollziehen, welche Kontaktpersonen involviert sind“, erläuterte Pinz. Das Vorgehen sei aber sehr differenziert und werde in jedem Einzelfall immer mit den Gesundheitsbehörden abgestimmt. Die Wiener Schulamtsleiterin appellierte zugleich an die Eltern, hohes Verantwortungsbewusstsein zu zeigen und gut abzuwägen, was sinnvoll für ihr Kind- und gut für die Gesamtheit der Klassengemeinschaft ist: „Wenn ein Kind augenscheinlich krank in den Unterricht kommt, ist es Aufgabe der Lehrperson in Absprache mit der Direktion die betreffenden Eltern zu informieren, dass das Kind abzuholen ist.“ Wichtig sei vor allem, dass die Schülerinnen oder Schüler vom Klassenverband separiert werden, sobald Symptome erkennbar sind. Dabei sei freilich ein „sehr bedachter und auch beruhigender Umgang mit der Situation“ nötig. Pinz: „Wir haben in unseren Schulen zudem den Vorteil, dass wir ErzieherInnen haben, die die Nachmittagsbetreuung übernehmen und im Notfall auch am Vormittag zur Verfügung stehen.“

„Eingehen auf Fragen, Ängste und Sorgen“

Die Schule habe nicht nur einen Bildungs- und Erziehungsauftrag, sondern sei „ein Ort, der Begegnung schafft und das Miteinander-Wachsen ermöglicht“. Darum sei das Zurückkehren zu einer achtsamen Normalität so wichtig: „Wir haben gemerkt, wie sehr junge Menschen auf soziale Nähe angewiesen sind. Vieles, was in den vergangenen Monaten belastet hat, muss jetzt erst aufgearbeitet werden.“ Dabei gebe es einen erhöhten Gesprächsbedarf, „einfühlsames Eingehen auf Fragen, Ängste und Sorgen“. In den katholischen Schulen habe man dafür besondere Angebote zur Verfügung gestellt: spirituelle Impulse, Gebets- und Liturgieangebote, verschiedene Rituale und ein Sorgentelefon. Pinz: „Wir merken, dass Lehrende immer mehr auch zu Seelsorgerinnen und Seelsorgern für Schüler und Familien geworden sind.“ In den vergangenen Wochen habe sich ein Großteil der Pädagogen auch im digitalen Lehren fortgebildet, um Eltern in ihrer Betreuungsaufgabe zu entlasten.

Vierfarbiges Ampel-System

Bildungsminister Faßmann hatte am Montag das Corona-Ampelsystem für die Schulen vorgestellt. „Grün“ bedeutet ein geringes Risiko in der jeweiligen regionalen Einheit. Für die Schule heißt das Normalbetrieb. Es gelten die gängigen Hygienevorkehrungen und eine gezielte Vorbereitung auf mögliche Verschlechterung.

„Gelb“ bedeutet für die Schule Normalbetrieb unter verstärkten Hygienebestimmungen. Die Schüler können am Platz in der Klasse den Mund-Nasen-Schutz abnehmen, im allgemeinen Bereich der Schulgebäude wird aber ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Ab Gelb wird empfohlen, generell möglichst viele pädagogische Aktivitäten ins Freie zu verlagern.

„Orange“ heißt, dass es ein hohes Risiko in der Region gibt: Gehäuft auftretende Infektionen, die aber zum großen Teil einzelnen Clustern zugeordnet werden können. In dem Fall gilt, dass Oberstufenschüler schulautonom auf Digitalunterricht Zuhause umgestellt werden, um eine personelle Ausdünnung im Schulgebäude zu erreichen. Schulpflichtige Kinder hingegen erhalten Präsenzunterricht und werden weiterhin bei Freizeitaktivitäten und im Lernen ganztägig betreut.

„Rot“ bedeutet, dass die Zahlen der Neuinfektionen deutlich ansteigen und die Herkunft von mehr als 50 Prozent der Fälle nicht mehr geklärt werden kann. In dem Fall wird der Präsenzbetrieb an den Schulen eingestellt und alle Schüler auf Digitalunterricht Zuhause umgestellt. Zumindest in allen katholischen Schulen wird aber auch in diesem Fall weiterhin eine Ganztagsbetreuung angeboten.

Quelle: Wien, kathpress (KAP), 19.08.2020
Foto: Gabriele Paar

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