Experten: Ethik- nicht gegen Religionsunterricht ausspielen

In der aktuellen Debatte über die Überführung des Schulversuchs Ethik in den Regelschulbetrieb haben Bildungsexperten vor einer Frontstellung Ethik- versus Religionsunterricht gewarnt. Dies werde weder dem gemeinsamen Grundanliegen beider Fächer gerecht, das in der Förderung eines solidarischen Zusammenlebens liege, noch dem Selbstverständnis beider Fächer, unterstrichen Bildungsexperten bei einer Podiumsdiskussion am Montagabend in Wien - darunter die Leiterin des Schulamtes der Erzdiözese Wien, Andrea Pinz. Sie begrüßte die von Bildungsminister Heinz Faßmann angekündigte Einführung eines Alternativgegenstandes Ethik, betonte zugleich aber den bleibenden Wert religiöser Bildung für die Identitätsformung junger Menschen.

Pinz äußerte sich im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema "Ethik und Religion in der Schule - Erfahrungen und Perspektiven", die am Montagabend in der vom Bildungsministerium initiierten Reihe "Science Talk" in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien stattfand. Mit Pinz diskutierten Georg Gauß von der Bundes-Arbeitsgemeinschaft Ethik sowie der Wiener Erziehungswissenschaftler und Fachdidaktiker Michael-Albert Jahn.

Religion schließe Ethik stets mit ein, erklärte Pinz, stehe aber zugleich für "mehr als Ethik". Insofern leiste der Religionsunterricht einen bleibend wichtigen Beitrag zu einem "umfassenden Bildungsideal". Sowohl ethische als auch religiöse Bildung würden schließlich zu den übergreifenden, alle Fächer gleichermaßen betreffenden Bildungszielen zählen, erinnerte Pinz. So wenig der Religionsunterricht ohne Wertbindung und Haltung auskomme, so wenig gelte dies daher auch für den Ethikunterricht.

Ethikunterricht auch für Unterstufe

Als wichtige Neuerung erachtete Pinz die Einrichtung des Ethikunterrichtes für die Sekundarstufe II. Dies könne jedoch nur ein erster Schritt sein - wünschenswert sei auch aus entwicklungspsychologischer Sicht, dass ein solcher Unterricht bereits für Schüler der Sekundarstufe I angeboten wird, da sich diese Altersgruppe in einer besondere Prägephase befänden.

Als problematisch erachtet die kirchliche Bildungsexpertin zu erwartende Engpässe bei der Ausbildung entsprechender Ethiklehrer. Es sei zu befürchten, dass zur Deckung des Bedarfes zumindest kurzfristig auf Zusatzqualifikationen und -Module gesetzt werde und damit Lehrpersonal ohne tiefgreifende akademische Qualifikation den Unterricht übernähme. Mittelfristig sieht Pinz die Ausbildungsangebote etwa an den Universitäten in Wien oder Graz als gute Basis für einen qualifizierten Ethikunterricht.

Missverständnisse ausräumen

Standort fix: Neues Gymnasium in Klosterneuburg

Das katholische Privatgymnasium Klosterneuburg in der Trägerschaft der Erzdiözese Wien wird im kommenden Schuljahr 2019/20 starten. Nun ist auch der vorläufige Standort fix: Die ersten Klassen der neuen Schule mit MINT-Schwerpunkt werden neben dem ehemaligen Essl Museum unterrichtet. Das dort geplante Provisorium setzt auf eine modulare Holz-Glas-Bauweise. Es wird ab Herbst – bis zur Fertigstellung des eigentlichen Schulgebäudes – zur schulischen Heimat der zukünftigen GymnasiastInnen.

"Der Start des neuen Privatgymnasiums erweitert die Vielfalt des Bildungsangebotes unserer Stadt und stärkt uns als Bildungs- und Wissenschaftsstandort", freute sich die für alle Bildungs-angelegenheiten zuständige Stadträtin Maria T. Eder bei der Standort-Begehung am vergangenen Freitag. "Gute Bildung ist uns in Klosterneuburg ein sehr wichtiges Anliegen, denn wir verstehen uns als 'Familienstadt' und sehen das umfassende Bildungsangebot als eine Facette der hohen Lebensqualität, für die Klosterneuburg steht." Der provisorische Standort neben dem Essl Museum sei gut gewählt und könne aufgrund der optimalen Arbeitsweise der zuständigen Gremien beim Land Niederösterreich und der Stadt Klosterneuburg nun umgesetzt werden, so Eder weiter.

Auch Andrea Pinz, Leiterin des Erzbischöflichen Amts für Schule und Bildung, zeigte sich hocherfreut über die Fixierung des Standortes. "Ich bedanke mich bei allen Beteiligten für die bisheri-ge so gute Zusammenarbeit – insbesondere beim Stift Klosterneuburg für die Bereitstellung des Grundstücks und bei der Stadt sowie dem Land Niederösterreich für die sehr konstruktive gemeinsame Arbeit", erklärte sie im Rahmen der Begehung des künftigen Schulgrundstückes neben dem Essl Museum (ehemaliges ÖAMTC-Gelände). "Mit unserem neuen Gymnasium möchten wir Akzente setzen innerhalb der 25 Bildungseinrichtungen in unserer Trägerschaft und in Klosterneuburg. Der besondere Fokus liegt auf der reflektierten und zeitgemäßen pädagogischen Ausrichtung nach dem christlichen Menschen- und Weltbild."

Wenige Restplätze für das kommende Schuljahr

Die Anmeldungen für das Schuljahr 2019/20 laufen bereits seit Dezember – und der Andrang für die 50 Schulplätze ist groß, wie der designierte Schulleiter Johannes Poyntner berichtet. Er führt die Anmeldegespräche mit Eltern und Kindern. "Ich freue mich wirklich sehr auf das kommende erste Schuljahr am neuen Privaten Gymnasium Klosterneuburg", erklärte Poyntner am Freitag. "Wir hatten bereits viele gute Gespräche mit sehr offenen, interessierten und engagiert wirken-den Eltern. Da sehe ich als Schulleiter der Zusammenarbeit mit Spannung entgegen. Auch die Rückmeldungen zu unserem pädagogischen Konzept waren überaus positiv." Aktuell gebe es tatsächlich nur noch wenige Restplätze, so Johannes Poyntner abschließend.

MINT-Schwerpunkt und soziales Lernen

Die neue Schule wird zwei verschiedene Zweige anbieten: Gymnasium und Realgymnasium. Inhaltlich setzen beide Schulformen auf einen MINT-Schwerpunkt (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik), der unter anderem zusätzliche Informatik-Stunden beinhaltet. Weitere pädagogische Schwerpunkte sind Angebote wie Soziales Lernen, Klassenrat, PeerMediation und klassenübergreifende Sozialprojekte in der Oberstufe sowie die Vermittlung von wertorientierten Inhalten auf Basis des christlichen Weltbildes. Der Besuch eines konfessionellen Religionsunterrichtes sowie die Teilnahme an den schulischen Festen im christlichen Jahreskreis sind für alle SchülerInnen des Privatgymnasiums verpflichtend.

Interessierte Eltern finden auf der Webseite der neuen Schule unter pgk.privatschulen.at/anmeldung alle Details zur Anmeldung.

 

Symposium - Religions- und Ethikunterricht

Symposion an Wiener Diplomatischer Akademie fragt nach zeitgemäßer Zuordnung von Religionsunterricht und Ethikunterricht - "Religionsunterricht ist kein Frömmigkeitsunterricht"

 

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Einen demonstrativen interreligiösen Schulterschluss für den Ethikunterricht als ein den konfessionellen Religionsunterricht ergänzendes Fach übten Vertreter von Katholischer und Evangelischer Kirche, Islam und und Judentum bei einer Tagung am Mittwoch in Wien. So wenig der Religionsunterricht ein "Frömmigkeitsunterricht" sei, sondern sich einem modernen, zeitgemäßen Curriculum verpflichtet weiß, so wenig darf man auf der anderen Seite den Ethikunterricht als ein bloßes Ersatzfach reduzieren. Vielmehr müsse der derzeit noch immer nur als Schulversuch an rund 200 Schulen geführte Ethikunterricht als vollwertiges Fach und als Pflichtgegenstand für all jene Schüler ins Regelsystem übernommen werden, die nicht am konfessionellen Religionsunterricht teilnehmen.

Dieses Votum formulierten in jeweils leicht variierender Form die Teilnehmer des "23. Wiener Kulturkongresses" zum Thema "Religions- und/oder Ethikunterricht" am 7. November in der Wiener Diplomatischen Akademie. Auf dem Podium saßen seitens der Religionsgesellschaften der katholische Fachinspektor für Religion, Manfred Göllner, der evangelische Oberkirchenrat Karl Schiefermair, Carla Amina Baghajati für die Islamische Glaubensgemeinschaft sowie der Wiener Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister. Eröffnet wurde die Tagung am Vorabend mit einem Vortrag des Wiener Theologen und Mediziners Matthias Beck.

Auf die Unverzichtbarkeit ethischer Bildung für alle Schüler verwies für das Amt für Schule und Bildung der Erzdiözese Wien Manfred Göllner. Insofern solle man den Ethikunterricht auch nicht auf einen Ersatzgegenstand reduzieren, da er die Komplexität des Faches und seines Anspruchs unterlaufe. Dennoch halte er die auch von der Österreichischen Bischofskonferenz präferierte Variante einer Überführung des aktuellen Schulversuchs eines Ethikunterrichts als Pflichtfach für jene, die nicht am konfessionellen Religionsunterricht teilnehmen, für sinnvoll.

Zugleich warb Göllner für mutige Experimente, wie es sie etwa in Form des vor drei Jahren gestarteten Versuchs eines "dialogisch-konfessionellen Religionsunterrichts (dkRU) an derzeit 26 Wiener Schulen gibt. Mit Zustimmung von Eltern, Schülern, Schule und Kirchen werden dabei Kinder unterschiedlicher Konfession gemeinsam unterrichtet. Getragen wird das Projekt gemeinsam von katholischer, evangelischer, altkatholischer und orthodoxer Kirche. Die bisherigen Erfahrungen seien sehr positiv, so Göllner, und sie zeigten u.a., dass es gar zu einer Stärkung des konfessionellen Bewusstseins unter den Schülern komme.

Der evangelische Oberkirchenrat Karl Schiefermair verwies auf die Bedeutung eines umfassenden "Orientierungswissens", welches der Religionsunterricht ebenso wie ein philosophisch grundierter Ethikunterricht leiste. Wichtig sei zu betonen, dass es nie "die" eine Ethik gebe, sondern auch auch Ethik auf Werthaltungen aufbaue und eine komplexe Disziplin darstelle. Das Ziel des Ethikunterrichts könne daher auch kein Kontrastprogramm zum Religionsunterricht darstellen, sondern müsse darauf abzielen, die Kompetenz von Schülern zu stärken, mit der faktischen Pluralität von Lebensentwürfen wie Religionen reflexiv umzugehen.

Als Vertreterin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) votierte Carla Amina Baghajati vehement dafür, den seit 20 Jahren in Österreich laufenden Schulversuch Ethik zu beenden und als Alternativfach zum Religionsunterricht in das Regelschulsystem zu überführen. Denn so wenig der Religionsunterricht einer "Gehirnwäsche" gleichkomme, sondern sich der Erreichung der allgemeinen schulischen Bildungsziele verpflichtet weiß, so sehr fördere auch ein qualitätsvoller Ethikunterricht das Miteinander.

Der Fortbestand eines konfessionell gebundenen Religionsunterrichts sei jedoch auch aus einem innerislamischen Grund wichtig, führte Baghajati weiter aus: So fördere ein kompetenzorientierter und zu einem "kritischen Denken" motivierender Religionsunterricht letztlich auch den innermuslimischen Dialog. Die Pluralität innerhalb des Islam und somit auch unter den muslimischen Schülern sei enorm und es brauche daher auch Räume, um zu lernen, mit dieser Pluralität umzugehen.

Der Wiener Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister schlug in eine ähnliche Kerbe, indem er feststellte: "Religionsunterricht ist kein Frömmigkeitsunterricht". Dieser Vorwurf könne nur von jenen vorgebracht werden, die nicht wüssten, wie moderner Religionsunterricht heute aussehe. So würden ethische Fragen einen breiten Raum im Religionsunterricht aller Konfessionen einnehmen - zugleich müsse außerdem darauf hingewiesen werden, dass selbst ein vermeintlich säkulares Ethikverständnis in Europa stets christlich durchwirkt sei, es insofern keine "neutrale" Ethik geben könne.

Quelle: kathpress

ReligionslehrerInnen-Studie

ReligionslehrerInnen in der Erzdiözese Wien:  Gute Berufszufriedenheit

Sie vermitteln Glaubenswissen, fördern Dialog sowie Respekt und begleiten oft auch in existenziellen Fragen. Die Rede ist von den ReligionslehrerInnen der Erzdiözese Wien. Eine Studie im Auftrag der Diözesanleitung und des Erzbischöflichen Amtes für Schule und Bildung hat nun unter anderem ihre Berufs- und Lebenszufriedenheit untersucht. Ein Ergebnis: Die Religionslehrerinnen und -lehrer in Wien weisen eine hohe Lebenszufriedenheit und eine gute Berufszufriedenheit auf.

Die Studie wurde  unter Federführung von Christoph Jacobs, Professor für Pastoralpsychologie und – soziologie an der Theologischen Fakultät Paderborn, durchgeführt. Weitere Studienautoren sind Arndt Büssing, Lehrstuhlinhaber für Medizintheorie, Integrative und anthroposophische Medizin, und der Psychologe Andreas Günther, beide von der Universität Witten/Herdecke. Ergänzt wird die Studie durch einen vom Schulamt gestalteten Frageteil, der den Fokus speziell auf den Religionsunterricht legt.

Es ist die erste breit angelegte Studie zu Berufszufriedenheit und Gesundheit von ReligionslehrerInnen im deutschen Sprachraum. Im Rahmen einer Präsentation stellten die Studienautoren Christoph Jacobs und Andreas Günther in Anwesenheit von Kardinal Christoph Schönborn die wichtigsten Ergebnisse zur Diskussion. Der Einladung zu der Veranstaltung in der KPH Wien/Krems (Campus Strebersdorf) waren rund 100 LehrerInnen sowie MitarbeiterInnen von Schulamt, KPH und Erzdiözese gefolgt.

Hohe Lebenszufriedenheit, gute Berufszufriedenheit

Ein Hauptergebnis der Studie ist besonders positiv: ReligionslehrerInnen haben insgesamt – im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung, aber auch im Vergleich zur Berufsgruppe der LehrerInnen – eine hohe Lebenszufriedenheit. Sie weisen außerdem eine gute Berufszufriedenheit auf. Letztere steigt mit zunehmendem Dienstalter. Denn wie die Studie ergeben hat, stellen vor allem die ersten Berufsjahre für die ReligionslehrerInnen eine große Herausforderung dar. Nach den ersten Dienstjahren jedoch bringt der Beruf eine gute Zufriedenheit mit sich. Studienautor Andreas Günther verwies in diesem Zusammenhang vor allem auf die "unglaublich hohen Werte bei der sozialen Vernetzung", die die Studie gezeigt habe. Diese wirke sich enorm auf die Lebenszufriedenheit aus, so Günther im Rahmen der Präsentation.

ReligionslehrerInnentag 2018: Filme und Fotos

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