Symposium - Religions- und Ethikunterricht

Symposion an Wiener Diplomatischer Akademie fragt nach zeitgemäßer Zuordnung von Religionsunterricht und Ethikunterricht - "Religionsunterricht ist kein Frömmigkeitsunterricht"

 

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Einen demonstrativen interreligiösen Schulterschluss für den Ethikunterricht als ein den konfessionellen Religionsunterricht ergänzendes Fach übten Vertreter von Katholischer und Evangelischer Kirche, Islam und und Judentum bei einer Tagung am Mittwoch in Wien. So wenig der Religionsunterricht ein "Frömmigkeitsunterricht" sei, sondern sich einem modernen, zeitgemäßen Curriculum verpflichtet weiß, so wenig darf man auf der anderen Seite den Ethikunterricht als ein bloßes Ersatzfach reduzieren. Vielmehr müsse der derzeit noch immer nur als Schulversuch an rund 200 Schulen geführte Ethikunterricht als vollwertiges Fach und als Pflichtgegenstand für all jene Schüler ins Regelsystem übernommen werden, die nicht am konfessionellen Religionsunterricht teilnehmen.

Dieses Votum formulierten in jeweils leicht variierender Form die Teilnehmer des "23. Wiener Kulturkongresses" zum Thema "Religions- und/oder Ethikunterricht" am 7. November in der Wiener Diplomatischen Akademie. Auf dem Podium saßen seitens der Religionsgesellschaften der katholische Fachinspektor für Religion, Manfred Göllner, der evangelische Oberkirchenrat Karl Schiefermair, Carla Amina Baghajati für die Islamische Glaubensgemeinschaft sowie der Wiener Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister. Eröffnet wurde die Tagung am Vorabend mit einem Vortrag des Wiener Theologen und Mediziners Matthias Beck.

Auf die Unverzichtbarkeit ethischer Bildung für alle Schüler verwies für das Amt für Schule und Bildung der Erzdiözese Wien Manfred Göllner. Insofern solle man den Ethikunterricht auch nicht auf einen Ersatzgegenstand reduzieren, da er die Komplexität des Faches und seines Anspruchs unterlaufe. Dennoch halte er die auch von der Österreichischen Bischofskonferenz präferierte Variante einer Überführung des aktuellen Schulversuchs eines Ethikunterrichts als Pflichtfach für jene, die nicht am konfessionellen Religionsunterricht teilnehmen, für sinnvoll.

Zugleich warb Göllner für mutige Experimente, wie es sie etwa in Form des vor drei Jahren gestarteten Versuchs eines "dialogisch-konfessionellen Religionsunterrichts (dkRU) an derzeit 26 Wiener Schulen gibt. Mit Zustimmung von Eltern, Schülern, Schule und Kirchen werden dabei Kinder unterschiedlicher Konfession gemeinsam unterrichtet. Getragen wird das Projekt gemeinsam von katholischer, evangelischer, altkatholischer und orthodoxer Kirche. Die bisherigen Erfahrungen seien sehr positiv, so Göllner, und sie zeigten u.a., dass es gar zu einer Stärkung des konfessionellen Bewusstseins unter den Schülern komme.

Der evangelische Oberkirchenrat Karl Schiefermair verwies auf die Bedeutung eines umfassenden "Orientierungswissens", welches der Religionsunterricht ebenso wie ein philosophisch grundierter Ethikunterricht leiste. Wichtig sei zu betonen, dass es nie "die" eine Ethik gebe, sondern auch auch Ethik auf Werthaltungen aufbaue und eine komplexe Disziplin darstelle. Das Ziel des Ethikunterrichts könne daher auch kein Kontrastprogramm zum Religionsunterricht darstellen, sondern müsse darauf abzielen, die Kompetenz von Schülern zu stärken, mit der faktischen Pluralität von Lebensentwürfen wie Religionen reflexiv umzugehen.

Als Vertreterin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) votierte Carla Amina Baghajati vehement dafür, den seit 20 Jahren in Österreich laufenden Schulversuch Ethik zu beenden und als Alternativfach zum Religionsunterricht in das Regelschulsystem zu überführen. Denn so wenig der Religionsunterricht einer "Gehirnwäsche" gleichkomme, sondern sich der Erreichung der allgemeinen schulischen Bildungsziele verpflichtet weiß, so sehr fördere auch ein qualitätsvoller Ethikunterricht das Miteinander.

Der Fortbestand eines konfessionell gebundenen Religionsunterrichts sei jedoch auch aus einem innerislamischen Grund wichtig, führte Baghajati weiter aus: So fördere ein kompetenzorientierter und zu einem "kritischen Denken" motivierender Religionsunterricht letztlich auch den innermuslimischen Dialog. Die Pluralität innerhalb des Islam und somit auch unter den muslimischen Schülern sei enorm und es brauche daher auch Räume, um zu lernen, mit dieser Pluralität umzugehen.

Der Wiener Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister schlug in eine ähnliche Kerbe, indem er feststellte: "Religionsunterricht ist kein Frömmigkeitsunterricht". Dieser Vorwurf könne nur von jenen vorgebracht werden, die nicht wüssten, wie moderner Religionsunterricht heute aussehe. So würden ethische Fragen einen breiten Raum im Religionsunterricht aller Konfessionen einnehmen - zugleich müsse außerdem darauf hingewiesen werden, dass selbst ein vermeintlich säkulares Ethikverständnis in Europa stets christlich durchwirkt sei, es insofern keine "neutrale" Ethik geben könne.

Quelle: kathpress

ReligionslehrerInnen-Studie

ReligionslehrerInnen in der Erzdiözese Wien:  Gute Berufszufriedenheit

Sie vermitteln Glaubenswissen, fördern Dialog sowie Respekt und begleiten oft auch in existenziellen Fragen. Die Rede ist von den ReligionslehrerInnen der Erzdiözese Wien. Eine Studie im Auftrag der Diözesanleitung und des Erzbischöflichen Amtes für Schule und Bildung hat nun unter anderem ihre Berufs- und Lebenszufriedenheit untersucht. Ein Ergebnis: Die Religionslehrerinnen und -lehrer in Wien weisen eine hohe Lebenszufriedenheit und eine gute Berufszufriedenheit auf.

Die Studie wurde  unter Federführung von Christoph Jacobs, Professor für Pastoralpsychologie und – soziologie an der Theologischen Fakultät Paderborn, durchgeführt. Weitere Studienautoren sind Arndt Büssing, Lehrstuhlinhaber für Medizintheorie, Integrative und anthroposophische Medizin, und der Psychologe Andreas Günther, beide von der Universität Witten/Herdecke. Ergänzt wird die Studie durch einen vom Schulamt gestalteten Frageteil, der den Fokus speziell auf den Religionsunterricht legt.

Es ist die erste breit angelegte Studie zu Berufszufriedenheit und Gesundheit von ReligionslehrerInnen im deutschen Sprachraum. Im Rahmen einer Präsentation stellten die Studienautoren Christoph Jacobs und Andreas Günther in Anwesenheit von Kardinal Christoph Schönborn die wichtigsten Ergebnisse zur Diskussion. Der Einladung zu der Veranstaltung in der KPH Wien/Krems (Campus Strebersdorf) waren rund 100 LehrerInnen sowie MitarbeiterInnen von Schulamt, KPH und Erzdiözese gefolgt.

Hohe Lebenszufriedenheit, gute Berufszufriedenheit

Ein Hauptergebnis der Studie ist besonders positiv: ReligionslehrerInnen haben insgesamt – im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung, aber auch im Vergleich zur Berufsgruppe der LehrerInnen – eine hohe Lebenszufriedenheit. Sie weisen außerdem eine gute Berufszufriedenheit auf. Letztere steigt mit zunehmendem Dienstalter. Denn wie die Studie ergeben hat, stellen vor allem die ersten Berufsjahre für die ReligionslehrerInnen eine große Herausforderung dar. Nach den ersten Dienstjahren jedoch bringt der Beruf eine gute Zufriedenheit mit sich. Studienautor Andreas Günther verwies in diesem Zusammenhang vor allem auf die "unglaublich hohen Werte bei der sozialen Vernetzung", die die Studie gezeigt habe. Diese wirke sich enorm auf die Lebenszufriedenheit aus, so Günther im Rahmen der Präsentation.

ReligionslehrerInnentag 2018: Filme und Fotos

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