Ein Festakt im Minoritensaal in Graz bildete am gestrigen Abend den feierlichen Abschluss der 6. Olympiade im katholischen Religionsunterricht. Geehrt wurden die jungen Preisträger:innen und Finalist:innen von THEOLYMPIA 2026. Der Wettbewerb wird jährlich österreichweit ausgetragen. In diesem Schuljahr wurde eine vielschichtige Fragestellung in den eingereichten Text- und Bildbeiträgen verhandelt: “Dankbarkeit — Tugend oder Taktik?”
Ein festlich gestimmtes Publikum war zusammengekommen für die große Abschlussveranstaltung von THEOLYMPIA 2026. Im barocken Rahmen des Grazer Minoritensaals wurden die Gewinner:innen und Finalist:innen der beiden Wettbewerbskategorien Foto und Essay geehrt und mit Preisen bedacht. Mit insgesamt 499 Einreichungen verzeichnet THEOLYMPIA heuer einen neuen Rekord – in beiden Kategorien wurden jeweils so viele Beiträge wie noch nie eingereicht.
Einreichungen mit “erfrischendem, kreativem und geistvollem Blick”
Der Grazer Schulamtsleiter Walter Prügger, Vorstandsmitglied der Konferenz der Schulamtsleiter und -leiterinnen Österreichs, zeigte sich in seiner Begrüßung beeindruckt von der großen Resonanz auf THEOLYMPIA 2026. Die Einreichungen hätten mit “erfrischendem, kreativem und geistvollem Blick” auf das diesjährige Thema reagiert, so Prügger. Unter Bezugnahme auf den Benediktiner David Steindl-Rast betonte er zudem die enge Verbindung von Dankbarkeit und Lebensfreude sowie die Bedeutung von Beziehungen. Denn ein gelungenes Leben sei nur im Gleichgewicht zwischen Ich und Wir möglich. Es geht letztlich nach Prügger darum, das “Netzwerk zwischenmenschlicher Beziehungen” lebendig und kräftig zu erhalten, eingebettet in die allumfassende Beziehung zu Gott.
Siegeressay mit differenzierter Sicht auf “Dankbarkeit”
Den ersten Platz im Essaywettbewerb errang heuer Benedikt Kühnelt-Leddihn (16) aus Wien. In einer von Selbstoptimierung getriebenen Welt beschreibt der junge Autor Dankbarkeit als “zarten Fremdkörper”, der daran erinnert, dass der Mensch nicht alleiniger Autor seines Lebens sei. Falsch verstandene Dankbarkeit könne aber auch zur “moralischen Fessel” werden, die Protest ersticke und Ungerechtigkeit übertünche. Kühnelt-Leddihn verortet Dankbarkeit als eine Form subtilen Widerstands gegen Leistungsdruck und Konsumzwang, aber auch als Haltung, die den Blick auf das eigene Leben und auf die Gesellschaft verändern kann. Mit dieser differenzierten Sicht überzeugte sein Text die Jury. Vorgetragen wurde der Essay von Jutta Prohaska, Fachinspektorin der Diözese St. Pölten.
Siegerfoto thematisiert Dankbarkeit für Freundschaften
Im Fotobewerb konnte sich Anna Kainz (17) aus Bregenz durchsetzen. Ihre atmosphärische Arbeit zeigt eine Gruppe feiernder Jugendlicher, die vertieft sind in Gespräche. Ausgangspunkt war die Dankbarkeit der Fotografin für ihre Freundschaften und für die “kleinen Momente”, die Gemeinschaft und Zusammenhalt prägen. Das Foto überzeugte damit auch die Jury. Freundschaft sei eine “Grundkonstante menschlichen Lebens”, hieß es in der Begründung. Das Foto zeige Jugendliche, “die sich offenkundig miteinander wohl fühlen”, die nur einander bräuchten. “Die Zufriedenheit darüber und die Dankbarkeit dafür sprechen aus dem Werk”, so die Jury, die in der Szene zugleich Anklänge an ähnliche Darstellungen aus Barock und Biedermeier erkannte.
Bischof: “Blick für das Gute offen halten”
Zur Preisverleihung waren zahlreiche Ehrengäste geladen — darunter Vertreter:innen aus Kirche, Wissenschaft und dem Bildungsbereich. Zum Abschluss der Veranstaltung dankte schließlich der Grazer Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl, der in der österreichischen Bischofskonferenz für das Thema Bildung verantwortlich zeichnet, den Teilnehmer:innen für ihr Engagement und die Auseinandersetzung mit dem wichtigen Thema “Dankbareit”, da diese in der Gesellschaft zusehends verloren zu gehen scheine. Dabei gebe es “gerade in Österreich viele Gründe, dankbar zu sein” und ein sinnerfülltes Leben führen zu können, das von Gott getragen sei, betonte Krautwaschl und appellierte: “Bewahrt Euch die Neugier und den reflektierten Blick auf die Welt. Seid mutig und fordernd und übernehmt Verantwortung für Euch, für Eure Nächsten und auch in der Gesellschaft. Und vertraut darauf, dass Ihr nie allein seid, denn Gott ist mit Euch.”
Gut gelaunt und sympathisch durch den Festakt führte Franziska Grangl, Referentin der Katholischen Kirche Steiermark. Musikalisch untermalt wurde die Preisverleihung vom Ensemble 3Hacken-Popstrings mit Monika Ivanchenko, Daniel Pernitsch, Elena Nanceska und Jonas Schantl (Violine), Noora Harrer (Viola) sowie Mykola Trachuk (Cello). Musikalische Leitung, Arrangements sowie Gitarre und Violine: Martin Harbich. Die Gesamtleitung für THEOLYMPIA liegt seit 2024 bei Ewald Nagl. Der katholische Religionspädagoge ist Fachinspektor für Berufsbildende mittlere und höhere Schulen der Diözese Graz-Seckau.
Alle Sieger:innen und Finalist:innen sind samt ihren Beiträgen zu finden auf theolympia.at
Bericht: Graz, 29. Mai 2026 | Diözese Graz-Seckau – Katholische Kirche Steiermark | Mag. Ewald Nagl | Diözesaninspektor Berufsbildende mittlere und höhere Schulen, Religionsunterricht und Sekretariat
Alle Fotografien © Sonntagsblatt/Gerd Neuhold
HINTERGRUND | Der Essay- und Fotowettbewerb THEOLYMPIA
Die Religionsolympiade THEOLMYPIA wird seit dem Schuljahr 2020/21 durchgeführt. Träger des Wettbewerbs ist die Konferenz der Schulamtsleiterinnen und Schulamtsleiter Österreichs (SALK). Der Wettbewerb schreibt ein Generalthema für zwei Disziplinen aus: Im Essaywettbewerb wird das Thema intellektuell-argumentativ beleuchtet; beim Fotowettbewerb nähern sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dem jeweiligen Jahresthema kreativ-fotografisch an. THEOLYMPIA findet in allen neuen heimischen Diözesen sowie in Südtirol statt und ist offen für Schüler:innen der Schulstufen 9 bis 13, die den katholischen Religionsunterricht besuchen. Die Essays und Fotografien werden von zwei Fachjurys aus Wissenschaft, Kunst und Journalistik begutachtet und nach Kriterien wie etwa Originalität und argumentative Überzeugungskraft bewertet.








