LNDK 2026 | Religionsunterricht gestern – heute – morgen

Die Gesellschaft wandelt sich, und mit ihr der Religionsunterricht. Von einer katechetischen Unterweisung bis hin zum interreligiösen Lernen spiegeln sich im Religionsunterricht gesellschaftliche Entwicklungen und Fragestellungen.

Bei der Langen Nacht der Kirchen 2026 widmete sich das Erzbischöfliche Amt für Schule und Bildung dem Wandel des Religionsunterrichts. Ein Kurzfilm mit intergenerationalen Interviews (Regie: Claudia Schuler) zeigte, wie sich dieser in den letzten 60 Jahren von reiner Wissensvermittlung hin zu einem dialogischen Unterricht, in dem religiöse Werte im Kontext einer multikulturellen Gesellschaft erarbeitet werden, entwickelt hat.
Hier der Link zum Film: https://www.youtube.com/watch?v=YDqf6qD2r3c

In der anschließenden, durch Sophie-Kristin Hausberger (ORF) moderierten, Podiumsdiskussion mit Heinrich Himmer, ehem. Bildungsdirektor von Wien und Bildungssprecher der SPÖ, Sr. Beatrix Mayrhofer, ehem. Religionslehrerin und Leiterin des Gymnasiums am Bildungscampus Flora Fries, Stefanie Sandhofer, Religionslehrerin, Influencerin und digitale Seelsorgerin, Robert Wurzrainer, Lehrbeauftragter am Institut für Religionswissenschaften an der Universität Wien und Referent für Weltanschauungsfragen in der Erzdiözese Wien sowie David Novakovits, Univ. Ass. (postdoc) am Institut für Praktische Theologie an der Universität Wien, wurde betont, dass Religionsunterricht heute vor allem dazu beitragen soll, Verständnis für religiöse Phänomene, Argumentationsfähigkeit und Dialogkompetenz zu fördern – und somit auch eine wichtige Rolle für die Demokratiebildung spielt. Es brauche zudem im Religionsunterricht auch wieder die Vermittlung von konkretem religiösen Wissen aufgrund der fehlenden religiösen Sozialisierung vieler SchülerInnen. In Hinblick auf die religiöse und weltanschauliche Pluralität unserer Gesellschaft seien dialogische, konfessionsübergreifende Modelle, bei denen SchülerInnen unterschiedlicher Religionen punktuell gemeinsam unterrichtet werden, jedoch ohne Unterschiede in den Religionen zu nivellieren, zukunftsweisend.

Vor dem Hintergrund abnehmender religiöser Vorbildung vieler Jugendlicher und der Herausforderung des digitalen Raums müssten Lehrkräfte verstärkt Orientierung geben, die SchülerInnen an komplexe Inhalte heranführen und die Fähigkeit zum Fragen, Verstehen und Diskutieren kultivieren, ohne jedoch in einfache Antworten zu verfallen. ReligionslehrerInnen seien vergleichbar mit „PerlentaucherInnen“ (Novakovits), die sich bemühen, zu den Perlen, die in den Jugendlichen ruhen würden, Zugang zu finden und daran im Unterricht anzuknüpfen.

Der Abend wurde von der Präsentation „Heilige Seiten“ gerahmt, die Ausschnitte aus Büchern und handgeschriebenen Heften aus dem Religionsunterricht vom frühen 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart zeigte. Der deutliche Wandel in der Religionsdidaktik wurde anhand einer Ausstellung zum Dekalog sichtbar. Musikalisch begleitet wurde der Abend vom Pianisten Aubert Weinzinger-Dammayr. Ihren Abschluss fand die Veranstaltung in einer heiter-besinnlichen „Literarischen Soirée“, bei der Kurzlesungen mit musikalischer Untermalung das Spannungsfeld zwischen Alt und Jung ausloteten.

04.06.2026/Bericht: Anna Davogg/Schulamt der ED Wien